Fernwärme: Definition, Kosten, Förderung

Blockheizkraftwerk

Fernwärme bezeichnet die Wärmeversorgung von Gebäuden über lange, meist unterirdische Rohrleitungen. Damit die Wärme in die einzelnen Wohnungen gelangt, kommen sogenannte Wärmeübergabestationen zum Einsatz. Wann sich ein Anschluss finanziell und ökologisch lohnt und wie die aktuelle Fördersituation aussieht, erfahren Sie hier. 

Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

  • Fernwärme in Deutschland drittwichtigster Heizenergieträger
  • Anschluss vor allem in Ballungsgebieten sinnvoll
  • Fernwärme gilt als klimafreundlich, wenn sie auf Basis erneuerbarer Energien oder Abwärme erzeugt wird
  • Lieferanten bilden oft regionale Monopole
  • Wechsel zu Fernwärme durch zahlreiche Maßnahmen gefördert 

Was ist Fernwärme?

Wie der Name erahnen lässt, werden Wohngebäude hierbei mit Wärme aus der Ferne versorgt. Damit unterscheidet sich Fernwärme von herkömmlichen Heizungsarten wie Öl- oder Gasheizungen, bei denen die Heizanlage meist direkt im selben Gebäude steht und ausschließlich die darin befindlichen Räume versorgt. Der Ausbau von Fernwärmenetzen wird zwar seit Jahren vorangetrieben und gefördert. Dennoch werden hierzulande nur 15 Prozent aller Wohngebäude mit Fernwärme beheizt, knapp hinter Heizöl mit 17 Prozent. Mit einem Anteil von über 50 Prozent dominiert nach wie vor die Gasheizung.

Fernwärme, Nahwärme, kalte Nahwärmenetze

Neben der klassischen Fernwärme, wie sie meist in Ballungsräumen vorkommt, gibt es noch die Nahwärme und die sogenannten kalten Wärmenetze.

In kalten Wärmenetzen fließt Wasser mit einer Temperatur von unter 25 Grad Celsius zu den vorgesehenen Gebäuden. Erst dort wird es auf die notwendige Vorlauftemperatur erhöht und zum Heizen verwendet. Ein wesentlicher Vorteil von kalten Wärmenetzen: Die Leitungen müssen nicht kostspielig gedämmt werden.

Mit Nahwärme ist vereinfacht gesagt ebenfalls Fernwärme gemeint, mit dem Unterschied, dass diese nur kurze Distanzen überbrücken muss, um zu den Wohngebäuden zu gelangen. Nahwärme kommt häufig in Wohnsiedlungen oder Industrieparks zum Einsatz. Ausführliche Informationen hierzu liefert unser Fachartikel. 

Zum Artikel ‚Nahwärme‘

Wie funktioniert Fernwärme?

Die Funktionsweise von Fernwärme lässt sich grob in vier Schritten beschreiben: Erzeugung, Transport, Übertragung und Rücklauf. Damit alles funktioniert, gehören zum Fernwärmesystem neben dem Kraftwerk selbst noch das ausgebaute Fernwärmenetz, die Pumpstation, die Hausanschlüsse sowie die Wärmeübergabestation innerhalb des Gebäudes. Die vier Schritte im Detail:

Wärmeerzeugung

Die Wärme wird in einer zentralen Anlage erzeugt. Hierfür können verschiedene Energiequellen wie erneuerbare Energien, fossile Brennstoffe oder industrielle Abwärme verwendet werden. Laut einer aktuellen co2online-Auswertung mit den Fernwärmepreisen von über 700 Wärmenetzen sind die Fernwärmepreise bei Nutzung erneuerbarer Quellen niedriger. Im Schnitt zahlen Mieter*innen 2 Cent pro Kilowattstunde weniger als bei einem Wärmenetz, das mit fossilen Brennstoffen betrieben wird. 

Auswertung zur Fernwärmepreise zeigt Überraschendes

Von wegen, Klimaschutz führt bei der Fernwärme automatisch zu höheren Kosten. Die Auswertungsergebnisse zeigen ein ganz anderes Bild: 

  • 2 Cent pro kWh günstiger: Netze mit über 90 % erneuerbaren Energien oder Abwärme liefern Wärme im Schnitt günstiger als überwiegend fossile Netze.
  • Preise im Vergleich (Cent/kWh): Einfamilienhaus 15 statt 17, Mehrfamilienhaus 14,1 statt 16,4.
  • Günstigste Netze: Mücheln (8,5), Dortmund-Scharnhorst (9,6), Schwandorf (9,7).
  • 20.000 € Vorteil in 20 Jahren: Prognose für ein durchschnittliches Einfamilienhaus gegenüber Heizöl und Erdgas.

Wärmetransport

Die erzeugte Wärme wird als heißes Wasser oder Dampf durch isolierte Rohrleitungen an die jeweiligen Hausanschlüsse transportiert. Für den notwendigen Schub sorgt eine Pumpstation.

Wärmeübertragung

In den angeschlossenen Gebäuden wird die Wärme über Wärmetauscher an den internen Heizkreislauf übertragen, wo sie zur Beheizung und Warmwasserversorgung genutzt wird. Eingebaute Wärmemengenzähler ermitteln dabei die abgegebene Wärmemenge in kWh.

Rücklauf

Über die Fernwärmeleitung beziehungsweise Fernwärmerücklaufleitung gelangt das erkaltete Wasser wieder zum Kraftwerk und der Kreislauf beginnt von vorn.

Wie kommt die Fernwärme ins Haus und warum kann sie ökologischer sein als ein klassischer Wärmeerzeuger? Die Antworten darauf finden Sie im Video.

Was sind die Vor- und Nachteile von Fernwärme?

Hohe Energieeffizienz dank Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) auf der einen Seite, Abhängigkeit von einem ansässigen Anbieter auf der anderen Seite. Wie jede Heizungsart hat auch Fernwärme ihre Vor- und Nachteile:

Vor- und Nachteile von Fernwärme im Überblick

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Vorteile
Nachteile
Ein eigener Verbrennungskessel, Gasnetzanschluss bzw. Heizöltank sowie Schornstein sind überflüssig. Auch die Kosten fürs Schornsteinfegen entfallen. 
Es gibt in der Regel nur einen regionalen Anbieter. Faktisch sind Verbraucher*innen mit Monopolen konfrontiert und können den Anbieter nicht wechseln. 
Fernwärme ist bei KWK-Erzeugung ein Nebenprodukt und muss daher nicht extra produziert werden. Brennstoffe für die Stromproduktion lassen sich so effizienter nutzen.
Fernwärme ist <strong>nicht flächendeckend verfügbar</strong> (Bundesregierung plant Ausbau der Nahwärmenetze, siehe kommunale Wärmeplanung). 
Fernwärme ist eine zulässige Option nach dem Gebäudemodernisierungsgesetz.
Der Großteil der Fernwärme-Produzenten setzt nach wie vor auf fossile Energieträger.
In vielen Langzeitprognosen liegen die Preise für Fernwärme meist unter denen von Öl- und Gas. 
Durch den mangelnden Wettbewerb sind hohe Energiepreise möglich. Daher sind die Preis- und Anschlusskonditionen genau zu prüfen. 
Eine Übersicht über Vor- und Nachteile von Fernwärme.

Was kostet Fernwärme?

Im Vergleich mit anderen Heizungsarten sind die Kosten für die Installation bei Fernwärme meist wesentlich niedriger. Eine Fernwärmeübergabestation für ein Ein- oder Zweifamilienhaus kostet meist zwischen 5.000 und 10.000 Euro. Je nach Anbieter können die Installationskosten bei Fernwärme oft auch über einen entsprechend höheren Grundpreis abbezahlt werden.

Durchschnittliche Heizkosten mit Fernwärme

Für eine 70 Quadratmeter große Wohnung lagen die durchschnittlichen Fernwärme-Heizkosten im Jahr 2025 zwischen 575 und 2.080 Euro. In einem 130 Quadratmeter großen Einfamilienhaus waren es zwischen 885 und 4.290 Euro. Das zeigen die Daten des bundesweiten Heizspiegels 2026. Für das laufende Abrechnungsjahr ist mit leicht steigenden Fernwärme-Heizkosten zu rechnen. Gründe dafür sind unter anderem der Wegfall der Gasspeicherumlage und steigende Energiepreise.

Heizkosten für eine durchschnittliche 70 m² große Wohnung in einem Mehrfamilienhaus

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Energieträger/Heizsystem
Abrechnungsjahr 2025
Abrechnungsjahr 2026 (Prognose)
Erdgas
1.170 Euro (+14 %)
1.120 Euro (-4 %)
Heizöl
1.030 Euro (0 %)
1.275 Euro (+24 %)
Fernwärme
1.295 Euro (+6 %)
1.310 Euro (+1 %)
Wärmepumpe
715 Euro (+5 %)
735 Euro (+3 %)
Holzpellets
735 Euro (+20 %)
860 Euro (+17 %)
Heizkosten für eine durchschnittliche 70 m² große Wohnung in einem Mehrfamilienhaus

Heizkosten für ein durchschnittliches 130 m² großes Einfamilienhaus.

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Energieträger/Heizsystem
Abrechnungsjahr 2025
Abrechnungsjahr 2026 (Prognose)
Erdgas
2.040 Euro (+15 %)
1.930 Euro (-5 %)
Heizöl
2.145 Euro (+1 %)
2.745 Euro (+28 %)
Fernwärme
2.040 Euro (+3 %)
2.055 Euro (+1 %)
Wärmepumpe
1.260 Euro (+5 %)
1.300 Euro (+3 %)
Holzpellets
1.415 Euro (+24 %)
1.740 Euro (+23 %)
Heizkosten für ein durchschnittliches 130 m² großes Einfamilienhaus.

Laufende Kosten für Fernwärme

Die laufenden Kosten für die Fernwärme setzen sich aus drei Bestandteilen zusammen:

  1. Grundpreis oder Leistungspreis
  2. Arbeitspreis
  3. Dienstleistungspreis oder Verrechnungspreis

Der Grundpreis (auch Leistungspreis genannt) ist abhängig von der Fernwärme-Anschlussleistung in Kilowatt (kW) und wird pro Jahr berechnet. Der Arbeitspreis wird pro Kilowattstunde (kWh) abgerechnet, also nach dem Verbrauch an Fernwärme. Dazu kommt noch ein Dienstleistungspreis (auch Verrechnungspreis genannt), der ebenfalls pro Jahr anfällt. Aus der Summe dieser laufenden Kosten lässt sich ein Mischpreis je kWh für die Fernwärme berechnen. 

Was tun bei zu hohen Fernwärmepreisen?

In der Praxis gibt es verschiedene Ursachen, die zu erhöhten Fernwärmekosten führen können. Ist die vereinbarte Wärmeleistung zu hoch? Ist der Leistungspreis höher als notwendig? In dem Fall sollte die Leistung entsprechend angepasst werden. Ob die Leistung angemessen ist, können Sie per Faustregel prüfen. 

  • Teilen Sie dazu den Jahresverbrauch in kWh durch die Wärmeleistung in kW. Das Ergebnis sollte etwa 1.800 h betragen.
  • Liegt der berechnete Wert deutlich unter 1.800, sollten Sie handeln:
  • Wenden Sie sich an den Versorger und lassen Sie sich einen Vorschlag für eine geringere Wärmeleistung unterbreiten.

„Die Leute wissen gar nicht, dass man bei Fernwärme sparen kann. Der Gesamtbedarf an Fernwärme wird geschätzt – und oft zu hoch. Die Anlage ist dann so ausgelegt, dass man ständig duschen kann. Die Realität ist aber meist anders.“ – Peter Hennig, Fernwärmeexperte

Peter Hennig, Fernwärmeexperte

Tatsächlich zeigt ein veröffentlichtes Fernwärme-Gutachten, dass fast zwei Drittel der Fernwärme-Anschlüsse (62 %) in Deutschland überdimensioniert sind. Das Gutachten basiert auf Stichproben von 676 Fernwärme-Abnahmestellen und berücksichtigt den gesamten deutschen Fernwärmebestand. 

Zur Fernwärme-Studie

Preisgleitklausel überprüfen lassen und Kosten sparen

Preisgleitklauseln werden von den Energieversorgern selbst festgelegt und sind fester Bestandteil von Versorgungsverträgen. Sie ermöglichen Preiserhöhungen für Fernwärme, um nicht überschaubare Marktrisiken zwischen Anbieter und Kunde aufzuteilen.

Fernwärme-Experten wie Peter Hennig bemängeln seit Langem, dass die Berechnung dieser Klauseln für Kund*innen oft intransparent und ohne Expertenwissen nicht nachvollziehbar sei. „Immobilienbesitzer*innen sollten die Preisgleitklausel in ihrem Versorgungsvertrag auf Rechtmäßigkeit überprüfen lassen. Denn neben der Anpassung der Anschlussleistung liegt hier eine weitere Möglichkeit, erheblich Kosten zu sparen“, so der Experte.  

Förderung für Fernwärme 2026

Neben der bundeseigenen Förderbank KfW unterstützen auch Bund, Länder, Kommunen, Stadtwerke und privatwirtschaftliche Energieversorger mit eigenen Maßnahmen den Umstieg auf Fernwärme – entweder durch einen direkten Zuschuss oder per zinsgünstigem Förderkredit. Passende Förderprogramme finden Sie mit dem FördermittelCheck. Für einen ersten Überblick über Förderung für Fernwärmeheizungen gibt es eine umfangreiche Liste: 

Zur Liste

BEG-Förderung für Fernwärmeanschluss

Auch im Jahr 2026 wird der Anschluss an ein Gebäude- oder Wärmenetz staatlich gefördert, konkret im Rahmen der Bundesförderung effiziente Gebäude. Die Basisförderung liegt bei 30 Prozent. Dazu kommt ein Geschwindigkeitsbonus von 16 Prozent (bis einschl. Januar 2027, danach weniger). Für Haushalte mit einem niedrigen Jahreseinkommen sowie mit Kindern gibt es weitere Boni, insgesamt bis zu maximal 80 Prozent.

Übersicht Heizungsförderung BEG

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BEG EM Heizungstausch
Zuschuss zu förderfähigen Kosten
Bedingungen
Grundförderung
30 % (für Wärmepumpen sinkt die Grundförderung ab 2027 auf 15 % zzgl. 15 % Wertschöpfungs-Bonus)
- förderfähige Anlage
Einkommensbonus
10 % / 30 % / 40 %
- für Wohnung/Haus, das Eigentümer*in selbst bewohnt
- dreistufig für Einkommen bis 30.000/40.000/50.000 Euro
Klima-Geschwindigkeitsbonus
bis 31.01.2027: 16 % 
ab 01.02.2027: 12 % 
ab 01.08.2027: 8 % 
ab 01.02.2028: 4 % 
ab 01.08.2028: 0 % 
- für Wohnung/Haus, das Eigentümer*in selbst bewohnt 
- Austausch einer funktionstüchtigen, nicht von einer Austauschpflicht betroffenen Öl-, Kohle-, Gasetagen- oder Nachtspeicherheizung oder Austausch einer mindestens 20 Jahre alten funktionstüchtigen Gas- oder Biomasseheizung
- bei Einbau einer neuen Biomasseheizung ist diese mit einer solarthermischen Anlage oder eine Wärmepumpe zu kombinieren
Auflistung der BEG-Zuschüsse und Boni

Fördermittel beantragen – So gehen Sie am besten vor

Schritt für Schritt könnten Sie zum Beispiel so zur Fernwärme-Förderung gelangen – wenn klar ist, dass es vor Ort einen Anbieter gibt und Ihr Gebäude grundsätzlich dafür geeignet ist:

  • Schauen Sie sich nach Förderprogrammen um: am einfachsten mit dem FördermittelCheck.
  • Fragen Sie zusätzlich den regionalen Anbieter nach einer möglicherweise neuen Förderung.
  • Wenden Sie sich für die weitere Planung und das Kombinieren von Fördermitteln und Maßnahmen an eine/n unabhängige/n Energieberater*in. Den/die finden Sie zum Beispiel über die Energieeffizienz-Experten-Liste der dena

Wichtig: Stellen Sie den Antrag vor dem Vertragsabschluss. Für bestehende Übergabestationen gibt es zusätzlich die BAFA-Förderung zur Heizungsoptimierung. In einem gesonderten Artikel zeigen wir Ihnen, wie Sie einen Anschluss konkret finanzieren können.

Jetzt lesen: Fernwärme finanzieren

Fernwärme anschließen: Ablauf und Voraussetzungen

Für den Fernwärmeanschluss gehen Sie wie folgt vor:

  1. Verfügbarkeit prüfen: Fragen Sie beim Versorger nach und schauen Sie in den kommunalen Wärmeplan. Laut Bundesregierung haben rund zwei Drittel der Städte und Gemeinden die Wärmeplanung begonnen oder abgeschlossen (Stand: August 2026).
  2. Angebot und Preisblatt anfordern: Vergleichen Sie Anschlusskosten, Grundpreis und Arbeitspreis.
  3. Förderantrag stellen: Den Antrag müssen Sie vor dem Vertrag stellen.
  4. Hausanschluss und Übergabestation installieren lassen: Die Arbeiten übernimmt der Versorger oder ein beauftragter Fachbetrieb.
  5. Inbetriebnahme und Nachprüfung: Lassen Sie nach etwa einem Jahr die Anschlussleistung prüfen.

Mieter*innen und WEG: Förderanträge stellen in der Regel Eigentümer*innen oder die Eigentümergemeinschaft. Mieter*innen können den Anschluss nicht selbst beantragen. Nach den Eckpunkten des Wärmenetzpakets sollen Vermieter*innen beim Heizungswechsel einen Teil ihrer Investitionskosten umlegen dürfen. Die Umlage ist auf 50 Cent pro Quadratmeter Wohnfläche und Monat begrenzt. Das ist geplant und noch kein Gesetz.

Wärmenetzpaket: Das Wichtigste in Kürze

Das Bundeskabinett hat am 26. August 2026 Eckpunkte für ein Wärmenetzpaket beschlossen. Ziel: Investitionen in klimafreundliche Wärmenetze erleichtern und Verbraucherrechte stärken. Die Pläne beinhalten: 

  • Faire Preise: Preisklauseln werden transparenter und alle Versorger veröffentlichen ihre Preise auf einer neuen Plattform.
  • Mehr Rechte: Kund*innen können nach einer Energieberatung ihre Leistung anpassen lassen und kündigen, solange das Netz nicht ausreichend klimafreundlich ist.
  • Stärkere Aufsicht: Eine Bundesbehörde soll Preise nachträglich prüfen. Eine Schlichtungsstelle hilft bei Streitfällen.
  • Umlage beim Heizungswechsel: Vermieter*innen dürfen beim Wechsel auf Wärmenetze einen Teil der Kosten umlegen, maximal 50 Cent pro Quadratmeter und Monat.

Wie kündigt man einen Fernwärmevertrag?

In der Regel kann man einen laufenden Fernwärmevertrag nicht einfach so kündigen. Denn die rechtliche Grundlage erlaubt eine Vertragslaufzeit von bis zu zehn Jahren. Außerdem spielt das Kleingedruckte eine bedeutende Rolle. Konkret kommt es darauf an, was im Vertrag steht.

Fernwärmevertrag außerordentlich kündigen

Bei gravierenden Änderungen wie erheblichen Preiserhöhungen ist eine außerordentliche Kündigung möglich. In dem dazugehörigen Paragrafen 24, Abschnitt 5 der AVBFernwärmeV heißt es: „Die Kündigung ist dabei binnen vier Wochen nach Zugang der Mitteilung in Textform gegenüber dem Fernwärmeversorgungsunternehmen unter Angabe des gewählten Wirksamkeitszeitpunkts zu erklären.“

Um Fehler zu vermeiden, empfiehlt sich im Vorfeld eine individuelle Rechtsberatung, zum Beispiel bei der Verbraucherzentrale. Außerdem sollte sichergestellt werden, dass die neue Wärmequelle auch zum gewünschten Zeitpunkt verfügbar ist. Alternativen zu Fernwärme sind zum Beispiel Biomasseheizungen und Wärmepumpen.

Fernwärme oder Wärmepumpe?

In der Praxis spielen bei dieser Entscheidung verschiedene Faktoren eine Rolle. Dazu zählen die Verfügbarkeit von Netzen, die Wohnsituation und nicht zuletzt die finanzielle Situation. Wer beispielsweise in einer WEG wohnt, kann sich nicht einfach für eine Wärmepumpenlösung entscheiden. Stattdessen müssen hier alle Wohnungseigentümer*innen an einem Strang ziehen. Das Gleiche gilt für Mietende: Sie können sich weder für den Anschluss an ein Wärmenetz noch gegen den Einbau einer Wärmepumpe entscheiden.

Wirtschaftlich ist die Wärmepumpe im Vorteil

Rein wirtschaftlich betrachtet lohnt sich der Betrieb einer Wärmepumpe häufig eher als ein Fernwärmeanschluss. In unserer Heizspiegel-Heizkostenprognose steht die Wärmepumpe nach 20 Jahren Betriebszeit kostenmäßig besser als das Fernwärmenetz dar.

Die häufigsten Fragen und Antworten zum Thema Fernwärme

Sie sind sich noch unsicher, ob ein Anschluss an ein Wärmenetz das Richtige für Sie ist? Vielleicht helfen Ihnen die nachfolgenden Antworten weiter.

Fernwärme ist Wärme, die zentral erzeugt und über isolierte Rohre direkt in Ihr Gebäude geliefert wird. Heizung und häufig auch Warmwasser kommen aus dem Netz, einen eigenen Heizkessel brauchen Sie nicht. Die Wärme stammt aus Kraftwerken, Heizwerken, Geothermie, Großwärmepumpen oder Abwärme aus Industrie und Gewerbe.

In einer 70-Quadratmeter-Wohnung kostet Fernwärme laut Heizspiegel 2026 im Schnitt rund 1.295 Euro pro Jahr. Das ist ein Anstieg um sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr. In einem 130-Quadratmeter großen Einfamilienhaus beträgt die Kosten 2.040 Euro, ein Anstieg um drei Prozent. Ihr persönlicher Betrag hängt von Verbrauch, Wohnfläche und Netz ab.

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Betrachtet man nur die Heizkosten pro Quadratmeter, liegt Fernwärme mit 18,5 Euro vor Erdgas mit 16,7 Euro und der Wärmepumpe mit 10,2 Euro. Da es sich hierbei jedoch um eine langfristige Investition von mindestens 15 Jahren handelt, müssen auch die Betriebskosten berücksichtigt werden. Hier sieht das Ergebnis anders aus: Über einen Zeitraum von 20 Jahren ist die Wärmepumpe am günstigsten, dicht gefolgt von der Fernwärme. Am teuersten wird das Heizen mit Gas sein.

Nein, einen klassischen Anbieterwechsel gibt es nicht. Jedes Wärmenetz ist ein lokales Monopol, der Betreiber im Netzgebiet ist festgelegt. Ihre Anschlussleistung dürfen Sie einmal pro Kalenderjahr ohne Begründung anpassen, mit vier Wochen Frist zum Monatsende. Das gilt, solange sie nicht um mehr als 50 Prozent sinkt.

Nur eingeschränkt. Fernwärmeverträge verlängern sich oft automatisch, wenn Sie nicht rechtzeitig kündigen, in vielen Kommunen um fünf Jahre. Unter Umständen können Sie mit zwei Monaten Frist kündigen, wenn Sie die Wärme durch erneuerbare Energien ersetzen. Dies müssen Sie belegen. Das geplante Wärmenetzpaket sieht zusätzlich ein Sonderkündigungsrecht vor, ist aber noch nicht als Gesetz verabschiedet.

Das hängt von Ihrer Gemeinde ab. Ein Anschlusszwang steht meist in einer kommunalen Satzung und verpflichtet Sie dauerhaft, Wärme vom örtlichen Anbieter zu beziehen. Die Kommune kann Ausnahmen beschließen. Ob Ihr Haus betroffen ist, klärt die Stadt- oder Gemeindeverwaltung.

Der Anschluss an ein Wärmenetz ist Teil der BEG-Heizungsförderung. Die Höhe hängt vom Förderweg und Einzelfall ab. In bestimmten Fällen wird nur der Netzanschluss mit 30 Prozent Grundförderung unterstützt. Prüfen Sie die aktuellen Konditionen, bevor Sie Aufträge vergeben.

Nur, sofern das Netz überwiegend mit erneuerbaren Energien oder Abwärme betrieben wird. Netze mit mehr als 90 Prozent davon sind laut unserer Auswertung günstiger als überwiegend fossile Netze. Den Energiemix ihres Netzes veröffentlichen Versorger auf der Preistransparenzplattform für Fernwärme.

Minh Duc Nguyen

Über den Autor

Minh Duc Nguyen

Minh Duc Nguyen ist seit 2020 Teil der co2online-Redaktion. Er ist besonders vertraut mit dem Thema Heizung im Allgemeinen, sowie Fernwärme und Wärmepumpe im Besonderen. Darüber hinaus gehört der Bereich staatliche Fördermittel für Wohngebäude zu seiner Expertise.

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Jens Hakenes

Über den Autor

Jens Hakenes

Jens Hakenes ist seit 2010 unser freiberuflicher Experte für die Themen Heizkosten, Warmwasser, Stromkosten und Klimaschutz. In seinen Artikeln erfahren Sie zum Beispiel alles Wichtige über Fußbodenheizungen, serielle Sanierung oder den CO₂-Preis.

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